Stevia – besser als Zucker?

 

Stevia rebaudiana (Süßkraut oder Honigkraut) ist seit 2. Dezember 2011 in der EU als E960 zugelassen. Zuvor hat es eine regelrechte Schlacht um diese südamerikanische Pflanze gegeben, die den Lebensmittelmarkt revolutionieren sollte. Viele Unklarheiten und Unwahrheiten kursieren um das beinahe kalorienfreie Süßungsmittel. Experten sind skeptisch, die Industrie sieht darin eine Goldquelle.

 

Allgemeines zu Stevia

Die Pflanze wird schon seit Jahrhunderten wegen ihrer starken Süßkraft als Süßstoff verwendet. Im Dezember 2011 wurden die hauptsächlich aus Steviosid bestehenden Steviolglycoside durch die Europäische Kommission formell als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen.

Stevia hat eine bis zu 300-mal höhere Süßkraft als Haushaltszucker, ist beinahe kalorienfrei, ist für Diabetiker geeignet, nicht kariesbildend und hat keine abführende Wirkung. Vor der Zulassung in der EU gab es Diskussionen über genotoxische Folgen, die jedoch nicht bestätigt werden konnten. Zur Vorsicht wurde allerdings ein Verzehrshöchstwert pro Tag von 4 mg pro kg Körpergewicht für Stevia festgelegt.

Stevia wird als Tabs, als Steviakristalle und als Flüssigkeit in Reformhäusern und im Großhandel angeboten. Der Geschmack ist abhängig von der Zusammensetzung der Glycoside und erinnert leicht an Lakritze. Stevia ist hitzestabil und eignet sich daher zum Kochen und Backen.

 

Große Erwartungen an eine kleine Pflanze

All diese positiven Eigenschaften klingen vielversprechend. Die Lebensmittelindustrie sieht darin eine Alternative zu Zucker und anderen Süßungsmitteln und bewirbt Stevia als Wundermittel speziell im Bereich bei Übergewicht und Diabetes.

 

Man bedenke, dass in den letzten Jahrzehnten unzählige Produkte auf den Markt gebracht wurden, die die Folgen der Wohlstandsgesellschaft verharmlosen sollten. Die Bezeichnungen „fettarm“, „zuckerfrei“, „light“ und „kalorienreduziert“ vermitteln den Eindruck, man könne damit leichter abnehmen. Zudem verleihen diese Deklarierungen den Anschein von mehr Gesundheit und unbeschwertem Genuss.

Allerdings hat sich dadurch die Lage nicht verbessert. Im Gegenteil: Die Zahl an Übergewichtigen und Diabetikern ist noch immer stetig im Steigen. Allein im EU-Raum leiden ca. 200 Mio. Menschen an Übergewicht und 50 Mio. an Diabetes! Folglich muss die Frage erlaubt sein: Können neue Süßungsmittel die Erwartungen, die an sie gestellt werden, erfüllen?

 

Ein Denkanstoß zum Umweltschutz

Wenn alle großen Lebensmittelkonzerne ihren kompletten Zuckerbedarf auf Stevia oder ähnliche Ausgangsprodukte für Süßungsmittel umstellen sollten, würde der Anbau und Vertrieb der Nutzpflanze zu weitreichenden und nicht absehbaren Folgen für Land und Leute in Südamerika und Asien führen: z.B. Wasserknappheit, Verlegung von Siedlungen, mehr Transport und damit höhere Schadstoffbelastung.

 

von
Alexander Osl, Diätologe
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