Interview mit Erik Dreesen

Interview mit Sportberater, Fachautor und Wettkampf Bodybuilder Erik “BamBam“ Dreesen

“Ich bin Perfektionist und mein Körper ist noch weit davon entfernt, meinen Maßstäben zu genügen.“

Body-Academy:
Nun meiner ersten Frage:
Was wahrscheinlich viele deiner Fans und Besucher auf deiner Homepage interessiert: Wie ist der Spitzname/Künstlername “BamBam“ entstanden?

Erik Dreesen:
Ist eigentlich ganz unspektakulär.
Als ich 1999 im damals ersten deutschen Bodybuilding-Forum etwas posten wollte, brauchte ich einen Nick. In dem Moment lief gerade die Familie Feuerstein im Fernsehen und der Sohn von Barney, Bambam, schlug mit seiner Keule rum, „Bam Bam“. Schwupps hatte ich meinen Nick. Richtig als Spitznamen wahrgenommen hab ich ihn allerdings erst, als ich für verschiedene Magazine anfing zu schreiben und meine Homepage online stellte.
Auf einmal schrieb/redete mich jeder nur noch als BamBam an.

Body-Academy:
Deine Bodybuilding-Karriere hat viele Rückschläge erlitten!
Vor 2 Jahren deine Herzmuskelentzündung bei der du durch schwere Belastung im Training auch tot umfallen hättest können.
Und nun am 24.07. beim Bankdrücken den Brustmuskel abgerissen.
Wie verläuft die Genesung und wie ist das ganze am 24.07 passiert?

Wir wünschen dir natürlich alles gute! Vor allem eine gute und problemlose Genesung!

Erik:
Mein Trainingspartner und ich waren gerade mit dem schweren Bankdrücken in der Brusteinheit durch. Nur noch ein Satz mit reduziertem Gewicht für ein paar Wiederholungen zum Pumpen stand an. Beim Ablassen ist dann die Sehne abgerissen. Also nicht der Muskel, wie bei den meisten anderen, sondern die Sehne hat es zerfetzt. Der Vorteil ist, daß es ohne sichtbare Folgen verheilt und alles aussieht wie vorher, der Nachteil aber, daß die Verheilungsdauer wesentlich länger dauert.
Shit happens, aber ich trainiere bereits wieder, hab ja noch einen zweiten Arm und zwei Beine.

Body-Academy:
1986 im 15.Lebensjahr, als “dickes“ Kind, bist du zum ersten mal mit Bodybuilding in Kontakt gekommen, leider musste das Training auf weitere 2 Jahre verschoben werden.

Warum hast du erst 1989 mit dem Training angefangen und hast du die Idee Bodybuilder zu werden in den 2 Jahren aufgegeben oder doch noch etwas gemacht?

Erik:
Damals waren meine Eltern strikt gegen diesen Sport. Gerade mein Vater setzte Bodybuilding mit Zurschaustellung im Zirkus gleich. Auch wenn er später sehr stolz auch mich war, als ich anfing Erfolg zu haben, so hätte ich mit 15 doch in seinen Augen noch eher Boxer werden sollen als Bodybuilder. Also fing ich an zu laufen auf 5000m und 10000m. Dazu speckte ich ordentlich ab und wurde vom dicken Kind zum sehr dünnen Jugendlichen.
Als ich dann 1989 volljährig wurde und selbst neben dem Abitur Geld verdiente, meldete ich mich dann selbst im Fitnessstudio an. Meine Eltern waren zwar dagegen, aber sie ließen mich gewähren, weil sie merkten, daß es mir ernst war.

Body-Academy:
Eine Sache an die sich, glaube ich, fast jeder errinnern kann: Das erste mal Muskelkater!
Weist du noch wie es bei dir war und an welchem Muskel?

Erik:
Oh ja, das weiß ich noch. Ich hatte nach meinen ersten Einheiten so schweren Muskelkater, daß ich am Tisch kaum das Besteck halten konnte. Beine, Brust, Arme, Rücken… Alles tat weh. So ist das eben, wenn man voller Elan rangeht und einen am Anfang keiner bremst. Diese Erfahrung sollte aber jeder mal gemacht haben.
Auch heute bin ich erst dann mit einer Einheit zufrieden, wenn ich am nächsten Tag wenigstens leichten Muskelkater habe. Man muss sich das vorstellen – über 17 Jahre lang Muskelkater. Und es ist immer noch geil. (*lacht*)

Body-Academy:
Fast jeder Anfang im Bodybuilding ist schwer und mit Fehlern verbunden.
Kannst du dich noch daran errinnern wie dein Trainingsplan damals, am Anfang war und wie trainierst du heute?

Erik:
Ende der 80er beschränkte sich das Wissen der Leute auf die Sportrevue und ein paar Bücher von Arnold. Also trainierte ich auch so. 6 Einheiten pro Woche, manchmal 7, 3er-Split mit etwa 30 Sätzen, teilweise mehr, immer Vollgas, in jeder Einheit. Dazu habe ich viel gegessen und auf eine hohe Proteinzufuhr geachtet. Ich wuchs wie Unkraut, nach gut 1 Jahr Training hatte ich bereits 20kg mehr drauf. Natürlich auch Fett, aber durch den hohen Gewichtsverlust beim Abspecken in den 2 Jahren vorher, wo auch viel Muskeln verloren gegangen waren, konnte ich davon vieles wiedergewinnen und noch was dazulegen. Begonnen hatte ich damals mit 33cm Bizepsumfang, nach dem Jahr hatte ich dann 41cm. So trainierte ich praktisch die ersten 3 Jahre und hatte mich am Ende von 72kg auf 118kg hochgearbeitet. Geht nicht, gibt’s nicht, so ähnlich dachte ich jedenfalls. Danach machte ich meine erste Wettkampfdiät und landete bei 100kg in akzeptabler Form, zumindest nach meinen damaligen Maßstäben.

Mit meinem heutigen Wissen würde ich das natürlich keinem Anfänger raten. Dennoch denke ich, daß viele sich heute mit Übertraining verrückt machen und einfach zu lasch trainieren. In keiner Sportart gilt der Sport „Nur die Harten kommen in den Garten“ mehr als im Bodybuilding. Der Körper ist eine erstaunliche Maschine und kann sich an sehr harte Belastungen anpassen. Wenn man sieht, wie oft Sportler anderer Sportarten trainieren, dann fragt man sich, wieso man das als Bodybuilder nicht auch können soll.

Heute trainiere ich eher schwachstellenbezogen. Das bedeutet, daß ich Muskelgruppen, die ich besonders verbessern will, zweimal pro Woche trainiere. Im Moment sind das die Quadrizeps, Beinbizeps, Waden, Bizeps und Trizeps. Den Rumpf trainiere ich nur einmal pro Woche. Dabei arbeite ich stets mit hoher Intensität. Eine Einheit hat ca. 25 Sätze, jeder Satz geht mindestens bis zum positiven Muskelversagen, Intensitätstechniken werden im regelmäßigen Abstand vermehrt eingebaut und so die Härte des Trainings ständig gesteigert. Ein Gesamtzyklus geht über 12-15 Wochen, dann folgt der nächste von vorne.

Body-Academy:
Bei der Ernährung ist es nicht anders.
Wie ist dein Ernährungsplan und gibt es Lebensmittel die du als Pflichtnahrung für einen Bodybuilder siehst?

Erik: (*lacht*)
Pflichtnahrungsmittel ist das Chili von meiner Homepage.
Im ernst, das ist eins der beliebtesten Rezepte dort.

Nein, solche Sachen gibt es eigentlich für mich keine. Eher das Gegenteil. Ich vermeide alle Arten von Weißmehlprodukten, Zucker und weitgehend tierische Fette. Meine Ernährung ist sehr proteinreich, moderat kohlenhydrathaltig mit überwiegend Vollkornprodukten und optimiert auf gute Fette.

Bei Supps bin ich der Meinung, daß die meisten einfach Geldverschwendung sind. BCAAs und Aminos nehme ich nur, wenn ich mal eine Dose geschenkt bekomme. Standard sind Mehrkomponentenprotein, Whey, Glutamin und Creatin. Mehr nehme ich nicht einmal in der Wettkampfvorbereitung. Das Geld stecke ich lieber in qualitativ bessere Lebensmittel. Leider versuchen viele mit Supps eine schlechte oder mittelmäßige Ernährung zu kompensieren. Das funktioniert aber leider nicht.

Body-Academy:
Welcher deiner Bodybuilding/Kraftsport Wettkampf-Erfolge würdest du persönlich hervorheben und warum?

Erik:
Eigentlich keinen Titel. Titel sind wie Schall und Rauch, nach einiger Zeit kräht eh kein Hahn mehr danach. Deswegen sind sie mir nicht wirklich wichtig. Ich versuche mich nach meinen persönlichen Maßstäben immer weiter zu perfektionieren. Das Ergebnis präsentiere ich auf der Bühne. Die Platzierung ist mir egal, ich möchte nur fair bewertet werden.

Außerdem versuche ich zu zeigen, daß man nicht mit dem Strom schwimmen und jeden Auswuchs im Bodybuilding mitmachen muss, um Erfolg zu haben. Ich habe für mich vor vielen Jahren mal eine Grenze gezogen und diese nie überschritten. Das mag vielleicht nicht für internationale Wettkämpfe reichen, aber mir sind meine Prinzipien wichtiger. Auf nationalem Parkett war ich bis zu meiner Erkrankung 2003 aber sicher ganz gut dabei.

Body-Academy:
Apropo Wettkampf Bodybuilding.
Wie denkst du über die neuen Richtlinien für die Profi-Sektion bei der IFBB und was würdest du dir in Zukunft im Wettkampf Bodybuilding wünschen?

Erik:
Wenn ich ehrlich bin, dann verfolge ich das heutige Profi-Bodybuilding kaum noch. Es ist nicht das, was meinem Ideal entspricht. Natürlich sind es phantastische Leistungen die gebracht werden, Ronnie ist ein wahrer Gigant, aber es ist eben nicht meine Richtung und ich kann mich damit nicht mehr identifizieren. Wenn jemand den Weg gehen will, dann soll er es aber tun. Dennis Wolfs Werdegang beobachte ich z.B. mit viel Interesse.

Die alte Garde – Berry de Mey, Bob Paris, Francis Benfatto oder auch Lee Haney – die fand ich perfekt. Ästhetik pur.
Vielleicht sollte man hier eine „Classic-Kategorie“ einführen, ähnlich wie bei den Amateuren, dafür aber mit etwas höherem Gewichtslimit. Manche Dinge wären dann nicht mehr erforderlich, um in dieser Klasse zu bestehen.

Body-Academy:
Und nun zu meiner letzen Frage:
Was ist dein Lebensmotto und woher nimmst du die Motivation, nach sovielen Jahren Training und Rückschlägen, weiterhin noch Bodybuilding zu betreiben?

Erik:
Ganz einfach, ich bin noch nicht da angekommen, wo ich hin möchte.
Ich bin Perfektionist und mein Körper ist noch weit davon entfernt, meinen Maßstäben zu genügen.
Außerdem, man kann so oft auf die Schnauze fallen, man muss nur einmal öfters wieder aufstehen.

Body-Academy:
Das Body-Academy Team bedankt sich recht herzlich für das klasse und aufschlussreiche Interview und wünscht Dir für deinen privaten, beruflichen sowie sportlichen Werdegang viel Glück und Erfolg.

Weitere Informationen über Erik Dreesen:

Gewicht Offseason: 131kg

Gewicht Wettkampf: 115kg

Tätigkeiten:
– Mitarbeiter bei Sportrevue, Body-Attack-Magazin, BMS-Magazin
– Sportberater und Personal-Trainer
– Ernährungsberater
– Fachautor

Titel Bankdrücken (u.a.):
– Oberpfalz Meister 1992 (IPF)
– Deutscher Meister 1994 (IPF)

Titel Bodybuilding (u.a., alles Klasse >90kg):
– Int. Bayerischer Meister 1999 (IFBB)
– Westdeutscher Meister 2003 (NAC)
– Finalist Deutsche Meisterschaft

Bestleistungen:
-Kniebeuge: 280kg
-Bankdrücken: 270kg
-Kreuzheben: 350kg

Das Interview wurde am 30.08.2006 von Nesti geführt.