Berend Breitenstein im Interview

Interview mit Natural Bodybuilder, GNBF Präsidenten, Ernährungswissenschaftler und Autor zahlreicher Bücher Berend Breitenstein

Body-Academy.com:
Hallo Berend, ich freue mich dich bei der Body-Academy begrüßen zu dürfen. Du bist der wohl erfolgreichste deutsche Bodybuilding-Autor – mit zig Veröffentlichungen. Auch ich muss zugeben, dass am Anfang meines Interesses für Bodybuilding eines deiner Bücher stand.

Was nun viele interessieren wird: Wie kam es schlussendlich dazu dein erstes Buch „Bodybuilding – Erfolgreich, Natürlich, Gesund“ zu schreiben?

Berend Breitenstein:
Hallo Ernest, vielen Dank für die freundliche Begrüßung. Die Entstehungsgeschichte meines ersten Buches „Bodybuilding. Erfolgreich. Natürlich. Gesund.“ begann mit der Veröffentlichung meines Leserbriefes und des Fotomaterials, welches ich im Rahmen eines Trainings- und Ernährungsselbstversuches an die „Sportrevue“ schickte. Ich hatte mir nach meinem Studium der Oecotrophologie (Ernährungswissenschaften) eine Auszeit genommen, in der mich ganz auf das Training konzentrieren wollte.
Dafür verkaufte ich mein Auto, um genügend Geld für fünf bis sechs Monate zusammen zu bekommen und Training, Ernährung und Erholung optimal gestalten zu können. Eine tolle Zeit.

Ich schickte also nach Abschluss meines Experimentes einige „Vorher/Nachher“ – Bilder und einen längeren Text an die „Sportrevue“. Als ich das Material dann in der Oktoberausgabe 1993, gleich im Editorial des damaligen Chefredakteur des Magazins, Herrn Albert Busek,
sah, ahnte ich noch nicht, welchen Anstoss mir diese Berichterstattung für mein zukünftiges Leben geben sollte. Ungefähr 1 Jahr später traf ich durch Zufall meinen ehemaligen Professor Dr. Michael Hamm wieder. Wir kamen ins Gespräch und im laufe dessen schlug ich ihm vor, gemeinsam ein Buch über Natural Bodybuilding zu schreiben. Er war daran interessiert und stellte den Kontakt zum Rowohlt-Verlag her. Zu unserem dortigen Gespräch hatte ich die etwa 100 Leserbriefe, die mich aufgrund des Artikels in der „Sportrevue“ erreichten binden lassen und präsentierte diese, zusammen mit einem inhaltlichen Konzept zum geplanten Buch, dem Verlagsverantwortlichen. Dieser schien ebenfalls interessiert und zwei Wochen später kam grünes Licht für das Projekt. Ein tolles Gefühl!

Body-Academy:
Wie bist Du eigentlich zu dem Bodybuildingsport gekommen, wo du ja schon mit 15 Jahren an deinem ersten BB-Wettbewerb teilgenommen hast?

Berend:
Durch meine Eltern habe ich eine Vielzahl an Sportarten kennengelernt:
Fußball, Schwimmen, Tennis, Reiten, sogar Boxen…vielleicht hätte ich auch ein guter Boxer werden können. Ich erinnere mich noch, wie ich als 12jähriger das erste mal Sparring mit einem Partner machen durfte. Ich erwischte meinen Gegenüber mit einer harten Rechten direkt auf der Halsschlagader. Er fiel fast senkrecht nach hinten um. Das war ein ziemlicher Schock für mich….diesen Killerinstinkt hatte ich einfach nicht und ich beschloss, nie wieder zum Boxtraining zu gehen.
Mein Trainer lies nicht locker und stand sogar vor der Tür meines Elternhauses und versuchte mich, zum Weitermachen zu überreden, aber vergeblich. Boxen war nichts für mich. Ich las als Jugendlicher sehr gerne „Superhelden“-Comics. Meine Lieblingsfiguren waren „Die Spinne“ und „Batman“. Der muskulöse Körperbau dieser Figuren beeindruckte mich. Als ich in einer Ausgabe von „Batman“ sah, wie dieser mit Hanteln trainierte, wußte ich, was ich auch wollte. So kam ich mit 14 Jahren zum Bodybuilding. Es war gar nicht so einfach, ein Studio zu finden, welches einen 14-jährigen aufnahm. Mein Vater begleitete mich zu verschiedenen Studios, im vierten oder fünften Versuch wurden wir dann fündig und ich wurde aufgenommen. Ein Gefühl wie Weihnachten! Ich hatte zwar schon zu Hause mit einer Kurzhantel, Expander und einem sogenannten „Bullworker“ trainiert, aber ein Studio randvoll mit Gewichten und Maschinen erschien mir damals wie ein El Dorado. Einfach großartig.

Nach gut einem Jahr Training bestritt ich dann meinen ersten Wettkampf, den Mr.Hamburg Junior. Ich war in guter Form, ziemlich definiert und belegte von 6 Teilnehmern in meiner Klasse den fünften Platz, knapp am vierten Platz vorbei.

Body-Academy:
Hattest Du am Anfang deines Bodybuildinglebens Träume, die du mit zunehmender Erfahrung als Illusionen revidieren musstest? Mir fällt in diesem Zusammenhang ein ZEIT-Artikel über dich ein, in dem die Rede von einer Mr. Olympia Teilnahme war.

Berend:
Tatsächlich war es mein Traum, Mr. Olympia zu werden…in der Abschlusszeitung meiner Abitursklasse von 1983 schrieb ich dann auch unter der Rubrik „Ziele“: Es gibt nur ein Ziel – den Mr. Olympia Titel!
Ich hatte zwar geahnt, das im Bodybuilding nicht nur Quark und Eier gegessen wurde, um Spitzenleistungen vollbringen zu können, aber irgendwie glaubte ich, dass ich dieses Ziel auch ohne Doping erreichen könnte. Ganz schön naiv…so mit 20 Jahren erkannte ich, dass ich niemals Mr. Olympia werden würde. So habe ich zwar noch Freude und Begeisterung Bodybuilding gemacht, aber der Traum vom Mr. Olympia war ausgeträumt. Ich machte meine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann und studierte anschließend.

Body-Academy:
Hattest du jemals mit dem Gedanken gespielt, entsprechende Dopingmittel einzusetzen um den Traum vom Mr. Olympia war zu machen?

Berend:
Nein. Niemals. Als ich merkte, dass der Mr. Olympia nur mit Doping zu erreichen ist, verabschiedete ich mich ganz einfach davon. Es tat mir nicht weh. Im Gegenteil. Ich war froh, als Natural Athlet die Vorzüge unseres großartigen Sportes voll ausleben zu können. Freude im Training, gute Ernährung, Disziplin und Wohlgefühl….darauf kam es mir schon damals an und daran hat sich bis heute nichts geändert.

Body-Academy:
In deinen Büchern stehst Du für ein dopingfreies, dem Körper und der Seele förderndes Bodybuilding ein und hast in dieser Hinsicht eine Vorreiterposition im deutschen Bodybuilding eingenommen. Nun bist du ja auch schon lange in der BB-Szene aktiv, deinen ersten Wettkampf absolviertest Du 1979.
Meine Frage lautet nun, durch welches Erlebnis oder Auslöser Du dich dem offensiven Kampf gegen Doping verschrieben hast, wenn es denn ein Schlüsselerlebnis gab?

Berend:
Wie gesagt, kam Doping für mich niemals in Frage. Ich sah und sehe Bodybuilding als einen gesunden Lebensstil, in dem die Verwendung von beispielsweise künstlichen Hormonen oder Entwässerungsmitteln keinen Platz hat. Jeder soll das tun, was er für richtig hält. Mein Weg ist der Natural Weg und ich möchte mit meinem Beispiel zeigen, dass es auch ohne geht, dass heißt, dass durch hartes Training, gute Ernährung, ausreichend Ruhe und eine positive Einstellung sehr gute Ergebnisse im Muskelaufbau- und Fettabbau möglich sind.
Klar ist, dass die Dopinganwender bezüglich des Muskelaufbaus im Vorteil sind. Ich möchte wie gesagt zeigen, dass Bodybuilding ein gesunder Sport ist. Wem das nicht reicht und wer dopen möchte, der muss das tun.

Ein einzelnes Schlüsselerlebniss, welches mich dazu brachte, mich dem dopingfreien Bodybuilding zu widmen, gab es nicht. Vielmehr waren das kleinere Bausteine, die aber jeder für sich grosse Wirkung in meinem Denken und Handeln hinterlassen haben. Da war beispielsweise die Anabolika-Ampulle, die ich in einem Sportstudio fand und auf der ein Totenkopf-Symbol eingebrannt war. Oder der Sportskollege, von dem bekannt war, das er Dopinganwender ist, der während des Trainings häufig mit heftigen Nasenbluten durchs Studio lief und dessen Rücken zwar sehr muskulös, aber von dicken Pickeln übersät war. Ein anderer flippte aus und drohte einem Nachwuchsathleten an er würde ihm den Schädel einschlagen, wenn dieser nicht sofort von „seiner“ Flachbank verschwinden würde. So wollte ich als Mensch
und Athlet nicht enden…

Body-Academy:
Denkst Du, dass sich dein Kampf gegen Doping im Breitensport Bodybuilding bisher gelohnt hat oder gleicht es eher einem Kampf gegen Windmühlen?
Viele Fachkundige Leute sprechen sich für eine zu geringe Aufklärung aus, wodurch vor allem viele junge und sogar minderjährige Menschen in den Doping-Teufelskreislauf geraten. Macht dich in dieser Hinsicht etwas wütend, bzw. würdest Du dir mehr Aufklärungsarbeit von der Seite des Staates wünschen?

Berend:
Wie gesagt, ich möchte zeigen, das Bodybuilding ohne Doping das eigentliche, gesunde Bodybuilding ist. Dafür setze ich meine Kraft ein. Sicherlich wünsche ich mir von den Medien, das diese Bodybuilding nicht nur als dopingverseuchte „Freak-Show“ hinstellen, sondern auch einmal darüber berichten, wie hart Bodybuilder trainieren, wie diszipliniert sie sich ernähren und überhaupt, was den Bodybuilding-Lifestyle ausmacht. Da habe ich mich schon einige Male geärgert, aber mittlwerweile denke ich mir, das sich bei vielen Journalisten ein festes Bild des dopenden Bodybuilders eingeprägt hat. Mal sehen, was die Zukunft hier bringt….

Body-Academy:
Lassen wir nun das Doping-Thema erstmal ruhen und wenden wir uns persönlichen Themen zu. Dein letzter großer Wettkampf, die WNBF Pro Mr. Universe 2004 liegt nun schon 3 Jahre zurück. Möchtest Du noch mal auf der Bühne des WNBF angreifen, oder hast Du andere Pläne?

Berend:
Zur Zeit habe ich ein, zwei größere berufliche Projekte am Start. Mein Athletenherz schlägt allerdings immer noch heftig. Ich bin gut im Training. Wenn ich gesund bleibe und finanziell alles gesichert ist, dann plane ich für 2008 einen Start bei den WNBF Pro Masters World Championships für Athleten über 40 Jahre. Der Eisenvirus läßt mich einfach nicht los.
Das Training und die Diät für einen Wettkampf ist sauhart, aber um ehrlich zu sein, macht es mir sogar Spaß! Die eigenen Grenzen auszuloten, das ist mein Ding. Vollen Einsatz fahren, das gilt für den Sport genauso, wie für den Beruf.

Body-Academy:
Vor 3 Jahren hast Du auch den GNBF e.V. gegründet. Dieses Jahr fand nun schon die dritte deutsche Meisterschaft statt und die ersten Gewinner einer Pro-Card sind international bei dem WNBF an den Start gegangen. Wie ich gelesen habe, wurden die Beziehungen mit dem Schweizer und dem Britischen Verband intensiviert. Wie siehst Du die bisherige Entwicklung des Verbandes allgemein, aber auch hinsichtlich einer möglichen Europameisterschaft?

Berend:
In knapp vier Monaten, am 04.11.2007 findet die vierte Deutsche Natural Bodybuilding Meisterschaft der GNBF e.V. statt. Nähere Infos sind auch unter der Vereins-Website www.gnbf.de ersichtlich.

Die GNBF e.V. entwickelt sich gut, aber ich wünschte mir noch mehr Mitglieder unter den Studios in Deutschland, die sich unserer Idee des gesunden, natürlichen Bodybuilding anschließen und diese unterstützen möchten. Ich bin guter Hoffnung, das die GNBF e.V. sich als eine feste Größe im Deutschen Bodybuilding etablieren wird, die Zeichen dafür stehen gut.
Auch die internationale Zusammenarbeit mit der SNBF, dem schweizerischen Verband, läuft prima. So starten beispielsweise regelmäßig Athleten aus der Schweiz in der internationalen Klasse bei den Deutschen Meisterschaften und Deutsche Athleten in der Schweiz. Die Engländer sind leider nicht mehr mit dabei, aber es liegen der WNBF bereits Anfragen von anderen europäiischen Ländern vor, die sich für die Bildung einer nationalen Natural Bodybuilding Organisation interessieren und sich der WNBF anschließen möchten. Es dauert sicher noch eine Weile, aber die Vision einer Europameisterschaft im Natural Bodybuilding steht! Wir konzentrieren uns zunächst darauf, die GNBF e.V. in Deutschland zu stärken. Ich würde mich sehr freuen, wenn der eine oder andere Besucher Interesse an einem Beitritt in den Verein hat. Nur durch unsere Mitglieder lebt die GNBF e.V. und kann sich für die Verbreitung des Natural Bodybuilding in Deutschland einsetzen.

Body-Academy:
Im Namen des gesamten Body-Academy-Teams bedanke ich mich, dass Du dich für dieses Interview zur Verfügung gestellt hast. Für deine weiteren Vorhaben wünsche ich dir viel Erfolg und ich bezweifele nicht, dass er dir verwehrt bleibt.

Berend:
Vielen Dank, Ernest. Wie heißt es doch so schön: „Der Weg ist das Ziel“.
Immer dranbleiben, nicht aufgeben und alles wird gut!